Ein NS-Geschichtsort, der sich bewusst auf Gegenwart und Zukunft ausrichtet: Für die Villa in Osnabrück entwickelten wir vom inhaltlichen Konzept bis zur fertigen Umsetzung eine neue Dauerausstellung, die historische Aufklärung mit aktuellen Fragen demokratischer Gesellschaften verbindet.
Was konstituiert eine demokratische Zivilgesellschaft? Was gefährdet sie? Und welche Bedeutung kommt individuellem und kollektivem Handeln zu? Die Ausstellung vermittelt Ursprünge und Folgen der NS-Zeit und nutzt diese historische Perspektive, um Fragen nach Verantwortung, Handlungsspielräumen und der Gestaltung unseres Zusammenlebens heute zu stellen. Dabei werden diese beiden Perspektiven bewusst in den gleichen Räumen, aber eigenständig behandelt. So werden Parllelen aufgezeigt, ohne direkte Vergleiche zu fördern.
Aktivstationen durchziehen die gesamte Ausstellung. Sie übersetzen zentrale Inhalte in erfahrbare Situationen und fördern eine eigenständige Auseinandersetzung mit den Themen. Interaktion ist dabei stets inhaltlich motiviert, um Reflexion und Perspektivwechsel zu fördern.
Illustration, Storytelling und spielerische Mechaniken setzen wir gezielt ein: Die Biografien von Opfern des NS-Systems erhalten durch eine prägnante visuelle Ebene zusätzliche Präsenz. An anderer Stelle können Besuchende die komplexen Entscheidungen und Gefahren einer Flucht aus den besetzten Niederlanden in einer spielerischen Simulation nachvollziehen.
Ergänzt wird dies durch bewusst niedrigschwellige Formate. Für die Critical-Question-Stationen erhalten Besuchende ein Armband mit integriertem Chip. Die Antworten auf zentrale Fragen zu Demokratie, Verantwortung und gesellschaftlichem Handeln werden gespeichert und am Ende zu einem individuellen Demokratie-Profil verdichtet.
Die Szenografie basiert auf Stahlrohrkonstruktionen, die trotz ihrer räumlichen Präsenz eine leichte und offene Struktur bilden. Sie verbinden die unterschiedlichen Ausstellungsebenen und respektieren zugleich die architektonische Qualität der historischen Gründerzeitvilla. Materialien wie Gitterroste und Lochbleche erzeugen halbtransparente Ebenen, die Räume gliedern und Blickbeziehungen gezielt steuern. Auf diese Weise tritt die Ausstellung in einen klar lesbaren Dialog mit der bestehenden Architektur und entwickelt zugleich eine eigenständige räumliche und gestalterische Sprache.