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Die sieben Todsünden

Versuchung und Verfehlung in zwei Jahrtausenden

Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit sind so alt wie die Menschheit – und doch erschreckend gegenwärtig. Die Stiftung Kloster Dalheim widmet den sieben Todsünden eine große Sonderausstellung. Wir gestalteten Szenografie, Grafik und Leitsystem und entwickelten eine räumliche Dramaturgie, die dunkle Faszination und moralische Reflexion zugleich erfahrbar macht.

Die Ausstellung fügt sich präzise in das restaurierte historische Kloster ein und steht in kräftiger Farbe vor Bruchstein, Beton und Holz. In den unterschiedlichen Räumen – von Gewölbekeller bis Barocksaal – folgt die Gestaltung einer klaren Linie, die sich sensibel an die architektonischen Gegebenheiten anpasst.

Rot wie die Sünde

Die gesamte Ausstellung ist in „sündigem Rot“ gehalten, das zwischen zartem Rosa, leuchtendem Signalrot und fast schwarzem Rot changiert. Die Farbdramaturgie spiegelt das Oszillieren zwischen Versuchung und Verdammnis, Fegefeuer und Leidenschaft. Eine dynamische Typografie mit kraftvoller Anmutung verstärkt diesen Spannungsbogen und gibt der Ausstellung eine visuelle Handschrift von emotionaler Wucht.

Archäologische Funde, Kunstwerke, Dokumente und Alltagsobjekte werden durch interaktive und mediale Stationen ergänzt. Diese Mischung aus analoger und digitaler Vermittlung eröffnet vielfältige Zugänge – vom sinnlichen Erleben bis zur vertiefenden Auseinandersetzung.

Das historische Klostergebäude ist zugleich atmosphärisch wie komplex in seiner Raumstruktur. Ein prägnantes Leitsystem unterstützt daher die Orientierung. Farbige Markierungen und eine klare Nummerierung zeigen die Abfolge der drei Ausstellungsräume. Pfeile führen durch die Treppenhäuser und Übergänge. Der gestische Pinselduktus der Beschilderung verleiht der Wegführung Leichtigkeit und den spielerischen Charakter einer Entdeckungsreise – statt strenger Führung.

Von den frühchristlichen Mönchen bis in die Gegenwart führt der Rundgang auf dem schmalen Grat zwischen Tugend und Laster durch über 1500 Jahre Kulturgeschichte. Theologische Hand-schriften, Kunstwerke und Objekte aus Alltagskultur und Werbung bezeugen gleichermaßen den Kampf gegen – wie die Lust am – Laster. Unsere Gestaltung macht diese Spannungsfelder sichtbar und übersetzt sie in ein sinnliches Ausstellungserlebnis, das Denken, Fühlen und Wahrnehmen gleichermaßen anspricht.

Über die Innenräume hinaus werden auch Teile des Klostergeländes einbezogen. Im Park laden Trägheits-Hängematten dazu ein, der Sünde nachzugeben; ein Zorn-Boxsack ermöglicht den kontrollierten Ausbruch. Beschilderungen im Kräutergarten machen historische Pflanzenwissen erlebbar – etwa Heilkräuter, die Wollust oder Trägheit mildern sollten, oder Gifte, die Neid und Habgier schüren.

Gleich zu Beginn der Ausstellung öffnet sich ein großes rotes Tor – ein ikonisches Entrée. In seiner gestaffelten Struktur zeigt es sieben alltägliche Szenen, die bei näherem Hinsehen entgleisen: harmlose Gesten kippen in fratzenhafte Abbilder der Todsünden. Die großformatigen Linsenrasterbilder erzeugen einen irritierenden Umkehreffekt und werfen die Frage auf: Wo endet das Normale – und wo beginnt das Vergehen? Mit dieser Inszenierung schufen wir einen Auftakt, der das Thema unmittelbar erfahrbar macht und Besucherinnen und Besucher von Beginn an in die sinnliche und moralische Ambivalenz der Ausstellung hineinzieht.

Die 7 Todsünden Sonderausstellung, 2015
Auftraggeber: Stiftung Kloster Dalheim, Lichtenau
Unsere Leistungen: HOAS LPH 1-7, Ausstellungsgrafik, Leitsystem